200 Jahre Laufgeschichte - Prater Hauptallee ist jetzt „Welterbe der Leichtathletik“

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(mit historischen Bildtexten)

BSm #63

Es ist wahrhaft eine große, einmalige Ehre für den Wiener Laufsport und gleichzeitig auch für Österreichs Sport. Die Prater Hauptallee, die heuer auf eine 200-jährige (!) Geschichte des Laufsports zurückblickt, wurde auf Initiative des Vienna City Marathons von der World Athletics Heritage mit der nur selten verliehenen, höchst begehrten Plaque geehrt. Mit dieser Auszeichnung rückt die Prater Hauptallee zum Welterbe der Leichtathletik auf.Wiens Bürgermeister Michael Ludwig nahm in einem Festakt im Rathaus die World Athletics Heritage Plaque im Stadtsenatssitzungssaal entgegen. Sebastian Coe - World Athletics President, übermittelte in einer Video-Botschaft seinen Glückwunsch an die Stadt Wien: „World Athletics freut sich, das 200-Jahr-Jubiläum der Wiener Prater Hauptallee mit der Verleihung der World Athletics Heritage Plaque zu feiern. Wir sind stolz darauf, den herausragenden Beitrag der Prater Hauptallee zur Geschichte und Entwicklung des Laufsports zu würdigen!“ Als Vertreter der World Athletics Heritage hatte ich die Ehre, dem Bürgermeister die Plaque für die Prater Hauptallee zu überreichen.

VOM „LAUFERFEST“ BIS ZU KIPCHOGE

Aufgrund seiner bislang nur wenig bekannten Laufgeschichte hat die Prater Hauptallee, finde ich, diese Welt-Auszeichnung mehr als verdient. Bereits am 1. Mai 1822 fand auf der Hauptallee der erste offizielle Wettkampf, das „Lauferfest“, statt. Die „Laufer“ bildeten eine eigene Zunft. Ihre Aufgabe war es, vor den Kutschen der Herrschaften vorwegzulaufen und den Weg freizumachen. Der Bogen der Lauf-Veranstaltungen auf der 4,3 km langen, idealen Geraden vom Praterstern zum Lusthaus spannt sich vom „Lauferfest“ in 200 Jahren über Großveranstaltungen wie den Vienna City Marathon und den österreichischen Frauenlauf, kleineren Laufbewerben bis hin zum legendären Rennen von Eliud Kipchoge, der auf der Hauptallee am 12. Oktober 2019 als erster Läufer der Welt den Marathon unter 2:00 Stunden gelaufen war.

Aber es sind nicht nur die Stars, die die World Athletics Heritage in diesem Fall auszeichnet. Auf der Plakette steht als Begründung der Verleihung ausdrücklich: „Heimat für Läufer und Laufevents seit 1822“. Geehrt werden also auch die Heere von Hobbyläufern, die auf der rund um die Uhr beleuchteten „Prater Hauptallee“ Millionen von Kilometern im Laufschritt zurückgelegt haben und noch absolvieren werden.

BISHER NUR GÖTZIS UND STAMPFL

Nur 79 Mal wurde die World Athletics Heritage Plaque bislang für einen „herausragenden Beitrag zur Geschichte und Entwicklung der Welt-Leichtathletik“ in fünf verschiedenen Kategorien vergeben. Wien erhielt die Plaque in der Kategorie „Landmark“ - für einen ganz besonderen Austragungsort in der Leichtathletik-Geschichte. Österreich wurde erst zum dritten Mal mit einer Plaque des Leichtathletik-Weltverbandes ausgezeichnet. Zuvor hatten das seit 1975 ausgetragene Hypomeeting der Mehrkämpfer in Götzis sowie Trainer Franz Stampfl diese Auszeichnung erhalten. Stampfl war der Coach des berühmten Roger Bannister, der 1954 in Oxford in 3:59,4 als erster Läufer der Welt die Meile unter 4:00 Minuten gelaufen war. Andreas Maier, Pressechef des Vienna City Marathons, hat sowohl die Geschichte des Laufsports auf der Hauptallee als auch die Vita des Franz Stampfl großartig recherchiert.

IM KREIS VON NURMI, OWENS, ZATOPEK

Mit der Plaque rückt die Prater Hauptallee für alle Zeiten in den illustren Kreis der Welt-Leichtathletik auf. Die Kategorie „Legenden“ (in der die Plaque nur posthum vergeben wird) liest sich schon jetzt wie das „Who is Who“ der größten olympischen Sportart. Hier finden sich Allzeitgrößen wie Paavo Nurmi, Jesse Owens, Emil Zatopek, Abebe Bikila, Fanny Blankers Koen, Grete Waitz oder Irena Szewinska. Bei den Plaques für Veranstaltungen ragen das legendäre Weltklasse-Meeting von Zürich (seit 1928), das ISTAF in Berlin (seit 1921) oder die Bislett Games in Oslo heraus, bei den Laufevents der Boston Marathon (seit 1896) oder der New York Marathon heraus. Aber die Geschichte des Laufsports auf der Prater Hauptallee ist ohne Gegenstück.

Die Plaque ist zudem ein kleines Kunstwerk! Sie hat einen Durchmesser von 23 Zentimetern und wurde in Mailand bei Bertoni handgefertigt. Diese Gold- und Silberschmiedewerkstatt ist berühmt. Denn hier wurde 1973 auch der FIFA-World-Cup hergestellt.

„STADT WIEN IST STOLZ!“

„Die Stadt Wien ist stolz, Empfänger der World Athletics Heritage Plaque für die Prater Hauptallee zu sein. Diese internationale Auszeichnung macht bewusst, welch weltweit
herausragender Ort die Prater Hauptallee für das Laufen und für Laufveranstaltungen ist. Sportgeschichte und Gegenwart sind in einem großen, urbanen Grünraum verbunden. Ich danke dem Vienna City Marathon für seine Initiative und hoffe, dass die Welterbe-Auszeichnung für die Hauptallee noch mehr Menschen als bisher dazu motiviert, hier zu laufen und sportlich aktiv zu sein“, sagte Bürgermeister Michael Ludwig. 

„Die Aufnahme ins Welterbe ist eine großartige Anerkennung und Aufwertung für den österreichischen Laufsport. Sie ist eine Motivation und ein Geschenk für die ganze Laufcommunity, für alle, die in der Hauptallee laufen und Bewerbe veranstalten“, so Wolfgang Konrad, Veranstalter des Vienna City Marathons. Fünf Tage vor dem VCM wird die Plaque ihren permanenten Platz direkt in der Hauptallee bekommen.

Aus dem "Börse Social Magazine #63" - 1 Jahr, 12 Augaben, 77 Euro. Ca. 100 Seiten im Monat, ca. 1200 Seiten Print A4

(24.04.2022)


Bildnachweis

1. BSM #63

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BSm #63



Es ist wahrhaft eine große, einmalige Ehre für den Wiener Laufsport und gleichzeitig auch für Österreichs Sport. Die Prater Hauptallee, die heuer auf eine 200-jährige (!) Geschichte des Laufsports zurückblickt, wurde auf Initiative des Vienna City Marathons von der World Athletics Heritage mit der nur selten verliehenen, höchst begehrten Plaque geehrt. Mit dieser Auszeichnung rückt die Prater Hauptallee zum Welterbe der Leichtathletik auf.Wiens Bürgermeister Michael Ludwig nahm in einem Festakt im Rathaus die World Athletics Heritage Plaque im Stadtsenatssitzungssaal entgegen. Sebastian Coe - World Athletics President, übermittelte in einer Video-Botschaft seinen Glückwunsch an die Stadt Wien: „World Athletics freut sich, das 200-Jahr-Jubiläum der Wiener Prater Hauptallee mit der Verleihung der World Athletics Heritage Plaque zu feiern. Wir sind stolz darauf, den herausragenden Beitrag der Prater Hauptallee zur Geschichte und Entwicklung des Laufsports zu würdigen!“ Als Vertreter der World Athletics Heritage hatte ich die Ehre, dem Bürgermeister die Plaque für die Prater Hauptallee zu überreichen.

VOM „LAUFERFEST“ BIS ZU KIPCHOGE

Aufgrund seiner bislang nur wenig bekannten Laufgeschichte hat die Prater Hauptallee, finde ich, diese Welt-Auszeichnung mehr als verdient. Bereits am 1. Mai 1822 fand auf der Hauptallee der erste offizielle Wettkampf, das „Lauferfest“, statt. Die „Laufer“ bildeten eine eigene Zunft. Ihre Aufgabe war es, vor den Kutschen der Herrschaften vorwegzulaufen und den Weg freizumachen. Der Bogen der Lauf-Veranstaltungen auf der 4,3 km langen, idealen Geraden vom Praterstern zum Lusthaus spannt sich vom „Lauferfest“ in 200 Jahren über Großveranstaltungen wie den Vienna City Marathon und den österreichischen Frauenlauf, kleineren Laufbewerben bis hin zum legendären Rennen von Eliud Kipchoge, der auf der Hauptallee am 12. Oktober 2019 als erster Läufer der Welt den Marathon unter 2:00 Stunden gelaufen war.

Aber es sind nicht nur die Stars, die die World Athletics Heritage in diesem Fall auszeichnet. Auf der Plakette steht als Begründung der Verleihung ausdrücklich: „Heimat für Läufer und Laufevents seit 1822“. Geehrt werden also auch die Heere von Hobbyläufern, die auf der rund um die Uhr beleuchteten „Prater Hauptallee“ Millionen von Kilometern im Laufschritt zurückgelegt haben und noch absolvieren werden.

BISHER NUR GÖTZIS UND STAMPFL

Nur 79 Mal wurde die World Athletics Heritage Plaque bislang für einen „herausragenden Beitrag zur Geschichte und Entwicklung der Welt-Leichtathletik“ in fünf verschiedenen Kategorien vergeben. Wien erhielt die Plaque in der Kategorie „Landmark“ - für einen ganz besonderen Austragungsort in der Leichtathletik-Geschichte. Österreich wurde erst zum dritten Mal mit einer Plaque des Leichtathletik-Weltverbandes ausgezeichnet. Zuvor hatten das seit 1975 ausgetragene Hypomeeting der Mehrkämpfer in Götzis sowie Trainer Franz Stampfl diese Auszeichnung erhalten. Stampfl war der Coach des berühmten Roger Bannister, der 1954 in Oxford in 3:59,4 als erster Läufer der Welt die Meile unter 4:00 Minuten gelaufen war. Andreas Maier, Pressechef des Vienna City Marathons, hat sowohl die Geschichte des Laufsports auf der Hauptallee als auch die Vita des Franz Stampfl großartig recherchiert.

IM KREIS VON NURMI, OWENS, ZATOPEK

Mit der Plaque rückt die Prater Hauptallee für alle Zeiten in den illustren Kreis der Welt-Leichtathletik auf. Die Kategorie „Legenden“ (in der die Plaque nur posthum vergeben wird) liest sich schon jetzt wie das „Who is Who“ der größten olympischen Sportart. Hier finden sich Allzeitgrößen wie Paavo Nurmi, Jesse Owens, Emil Zatopek, Abebe Bikila, Fanny Blankers Koen, Grete Waitz oder Irena Szewinska. Bei den Plaques für Veranstaltungen ragen das legendäre Weltklasse-Meeting von Zürich (seit 1928), das ISTAF in Berlin (seit 1921) oder die Bislett Games in Oslo heraus, bei den Laufevents der Boston Marathon (seit 1896) oder der New York Marathon heraus. Aber die Geschichte des Laufsports auf der Prater Hauptallee ist ohne Gegenstück.

Die Plaque ist zudem ein kleines Kunstwerk! Sie hat einen Durchmesser von 23 Zentimetern und wurde in Mailand bei Bertoni handgefertigt. Diese Gold- und Silberschmiedewerkstatt ist berühmt. Denn hier wurde 1973 auch der FIFA-World-Cup hergestellt.

„STADT WIEN IST STOLZ!“

„Die Stadt Wien ist stolz, Empfänger der World Athletics Heritage Plaque für die Prater Hauptallee zu sein. Diese internationale Auszeichnung macht bewusst, welch weltweit
herausragender Ort die Prater Hauptallee für das Laufen und für Laufveranstaltungen ist. Sportgeschichte und Gegenwart sind in einem großen, urbanen Grünraum verbunden. Ich danke dem Vienna City Marathon für seine Initiative und hoffe, dass die Welterbe-Auszeichnung für die Hauptallee noch mehr Menschen als bisher dazu motiviert, hier zu laufen und sportlich aktiv zu sein“, sagte Bürgermeister Michael Ludwig. 

„Die Aufnahme ins Welterbe ist eine großartige Anerkennung und Aufwertung für den österreichischen Laufsport. Sie ist eine Motivation und ein Geschenk für die ganze Laufcommunity, für alle, die in der Hauptallee laufen und Bewerbe veranstalten“, so Wolfgang Konrad, Veranstalter des Vienna City Marathons. Fünf Tage vor dem VCM wird die Plaque ihren permanenten Platz direkt in der Hauptallee bekommen.

Aus dem "Börse Social Magazine #63" - 1 Jahr, 12 Augaben, 77 Euro. Ca. 100 Seiten im Monat, ca. 1200 Seiten Print A4

(24.04.2022)


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